Commodore Plotter VC-1520

Beim Commodore VC-1520 handelt es sich um einen kompakten Walzenplotter mit kleinen Kugelschreiber-Stiften in vier Farben (schwarz, blau, grün, rot) und einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 12 Zeichen pro Sekunde, bei maximal 80 Zeichen pro Zeile. Der Zeichenumfang im CBM-ASCII Modus beträgt 96 Zeichen und im Plotter Modus max. 260 Schritte pro Sekunde. Der Plotter druckt auf Rollenpapier (Kassenrolle) mit 114 mm Breite (96 mm bedruckbar), die auf einer Spindel außen am Plotter befestigt ist. Die Plottermechanik kommt von der Firma Alps Electric und wurde ebenfalls in anderen Geräten, wie z.B. im Sharp MZ-731 oder Olivetti M10 eingesetzt.

Commodore VC-1520 Plotter

Die kleinen Stifte werden in ein sogenanntes Revolver-Magazin eingesetzt. Durch drehen des Magazins per Software-Befehl oder Taste am Gerät, können die vier Farben angesteuert werden.

Idealer Einsatzzweck sind einfache Vektorgrafiken, wie z.B. der Plot von mathematischen Funktionen oder kleinen technischen Zeichnungen.

Der Plotter ist eine Besonderheit, weil er die Zeichen sowohl im ASCII-Modus als auch im Grafikmodus mit den kleinen Stiften aufs Papier zeichnet, anstatt wie beim Nadeldrucker winzige Nadeln aus einem Druckkopf abzuschießen. Die Papierrolle wird für vertikale Linien über die Walze sowohl vorwärts als auch rückwärts gesteuert. An der Seite befinden sich zusätzlich kleine Zahnräder, die verhindern sollen, dass das Papier rutscht. Eine exakte Papierführung ist unerlässlich, damit Grafiken, wie z.B. Kreise auch wirklich rund aussehen. Das Stiftmagazin wird über einen Seilzug horizontal bewegt.

Die kleinen Stifte werden in einem Plastikröhrchen aufbewart, um sie vor dem Austrocknen zu schützen.

Die Mechanik ist jedoch leider sehr anfällig, weil sie sehr filigran aufgebaut ist. Nach über 30 Jahren brechen die dünnen und feinen Zahnräder sehr leicht und es ist schwierig dafür Ersatz zu beschaffen. Auch die kleinen Stifte sind anfällig und meistens eingetrocknet. Auch dafür ist es schwer heute noch Ersatz zu bekommen. Wenn man jedoch ein funktionierendes Gerät besitzt, oder es erfolgreich wieder instand setzen konnte, dann macht es Spaß dem kleinen Plotter bei der Arbeit zuzusehen.

Glücklicherweise konnte ich ein repariertes Modell erstehen, bei dem auch funktionierende Stifte beigelegt waren. Anschluss findet der Plotter übrigens über die Commodore übliche serielle IEC-Schnittstelle.

Das Handbuch in englischer Sprache findet sich als PDF im Internet. Zeit also, sich mit dem Gerät praktisch zu beschäftigen.

Let’s plot!

Nach dem Einschalten des Plotters und des Computers druckt der VC-1520 automatisch einen kleinen Stift Test in Form von vier kleinen Quadraten, von jeder Farbe eines, in folgender Reihenfolge: blau (1), grün (2), rot (3), schwarz (0). Man kann so direkt sehen, ob alle vier Stifte korrekt funktionieren.

Commodore BASIC kommuniziert mit dem Plotter über die üblichen Open/Close und Print Kommandos. Mit dem OPEN Command wird zuerst ein Kanal zum Gerät geöffnet und über eine logische Dateinummer kann dann mit dem Gerät kommuniziert werden.

Der Open-Befehl setzt sich wie folgt zusammen:

OPEN lfn,dn,sa
lfn = Logical Filenumber (beliebig zwischen 1-255, über 127 doppelter Zeilenabstand)
dn = Device Number (Gerätenummer, 6 = Drucker/Plotter)
sa = Secondary Address (gerätespezifische Funktionen)

CBM-ASCII Zeichen plotten

Ein Beispiel, um ASCII Zeichen auf dem Plotter auszugeben lautet wie folgt:

OPEN 4,6,0
PRINT#4,"Hallo Welt!"
CLOSE 4

Die erste Zahl 4 im Open Befehl kann prinzipiell eine beliebige Zahl zwischen 1 und 255 sein. Jedoch hat sich die 4 für den CBM-ASCII Mode als „default“ eingebürgert. Die 6 ist die Geräteadresse für den Plotter und die 0 ist die sogenannte Secondary Address, die eine bestimmte Funktion am Plotter ausführt. In diesem Fall bedeutet sie, dass ASCII Zeichen gedruckt werden sollen. Die 0 kann in diesem Fall auch weggelassen werden, da sie den Standardwert darstellt. Am Ende muss das File, bzw. der Kanal, wieder geschlossen werden (CLOSE 4).

Um die Farbe zu wechseln, wird eine andere Secondary Address angesprochen:

OPEN 2,6,2
PRINT#2,2
CLOSE 2

Damit wird zum Beispiel die Farbe auf grün gewechselt: 0 = black, 1 = blue, 2 = green, 3 = red.

In der folgenden Tabelle zeige ich eine Übersicht der Funktionen, die über die Secondary Address angesprochen werden können. Zu beachten ist jedoch, dass immer nur maximal 10 Files gleichzeitig geöffnet sein können.

Secondary Address (SA)FunktionBeispiel
0 (default)Drucke CBM-ASCII Zeichen (96 Zeichen)OPEN 4,6 oder OPEN 4,6,0:PRINT#4,“Hello“
1Plotte X,Y Daten (Grafikmodus)OPEN 1,6,1:PRINT#1,“D“,240,100
2Wähle Farbe (0-3)OPEN 2,6,2:PRINT#2,1:CLOSE2
3Zeichengröße (0-3)OPEN 3,6,3:PRINT#3,2:CLOSE3
4Zeichenrotation horizontal/vertikal (0 oder 1)OPEN 44,6,4:PRINT#44,1:CLOSE44
5gestrichelte Linie fein bis grob (0-15)OPEN 5,6,5:PRINT#5,3:CLOSE5
6Groß-/Kleinbuchstaben Modus umschalten (0 oder 1)OPEN 6,6,6:PRINT#6,1:CLOSE6
7Reset Plotter (mit Stift-Test)OPEN 7,6,7:PRINT#7:CLOSE7
Plotter Funktionen die über die Secondary Address angesprochen werden können.

Wie weiter oben bereits erwähnt, ist die erste Zahl des Open Befehls eine beliebige Zahl zwischen 1 und 255, die die logische Filenummer repräsentiert. Es hat sich jedoch eingebürgert, als logische Filenummer meistens die Secondary Address (SA) zu verwenden, da im Programmlisting somit einfacher die Funktion identifizierbar ist. Eine Ausnahme bildet der Default-Wert 0 (CBM-ASCII): Hier wird als File-Nummer üblicherweise die 4 genommen, weil eine 0 nicht möglich ist (1-255) und die Zeichenrotation, die eigentlich SA#4 hat, häufig nicht verwendet wird. Dies ist zumindest die offizielle Aussage aus dem Commodore Handbuch zum Plotter. Im Grunde könnte man jedoch statt der 4 auch jederzeit eine 10 oder sonstige freie Zahl verwenden.

Die Zeichengröße kann zwischen 0 bis 3 eingestellt werden, wobei 1 der Standardwert mit 40 Zeichen pro Zeile ist. 0 ist die kleinste Schriftgröße mit 80 Zeichen pro Zeile, 2 = 20 Zeichen/Zeile und 3 = 10 Zeichen/Zeile.

Die Rotation kann zwischen horizontal = 0 (default) und 1 = 90° gedreht (vertikal) gewechselt werden. Es werden dann zwar die einzelnen Zeichen senkrecht gedreht, aber trotzdem horizontal in einer Zeile gedruckt. Um eine senkrechte Schrift zu erzeugen braucht es deshalb einen kleinen Trick:

Vertikale Schrift mit Zeichengröße 3 (10 Zeichen/Zeile)
10 OPEN 4,6 : REM SET ASCII MODE
20 OPEN 44,6,4 : REM SELECT ROTATION
30 PRINT#44,1 : REM ROTATE TO VERTICAL
40 A$ = "HELLO WORLD"
50 FOR I=1 TO LEN(A$)
60 PRINT#4,MID$(A$,I,1)
70 NEXT I
80 PRINT#44,0 : REM ROTATE TO HORIZONTAL
90 CLOSE 4: CLOSE 44
100 END

Vektorgrafik

Interessant ist der 1520 vor allem wegen seiner grafischen Fähigkeiten als Stiftplotter. Er zeichnet ja quasi mit den kleinen Kugelschreiberminen aufs Papier. Dementsprechend kann man den Plotter natürlich auch mit X/Y-Koordinaten füttern, um so entsprechend Vektorgrafiken zu erzeugen.

Der Plotterbereich wird einerseits natürlich durch die Papierbreite (X-Achse) begrenzt. Theoretisch gibt es zwar durch die Papierrolle keine Längenbeschränkung, jedoch begrenzt der Druckerspeicher und die mechanischen Eigenschaften die maximale Druckhöhe auch auf der Y-Achse.

Spiralform im Grafikmodus gedruckt

Somit ergeben sich folgende Maximalwerte für den Ausdruck:

X-Achse: 480 Positionen (0-479) (9 mm Rand links und rechts)
Y-Achse: +/- 999 Positionen (0-998)

Auf der Y-Achse können sowohl nach oben (+), als auch nach unten (-) jeweils 999 Positionen eingenommen werden. Das bedeutet, dass die Ausgangsposition bei den Koordinaten 0,0 das Papier erst ein Stück nach oben fahren lässt, so dass in beide Richtungen gedruckt werden kann. Anders als bei normalen Druckern kann der Plotter nämlich das Papier vor und zurück fahren und so den Stift innerhalb des Koordinatensystems beliebig positionieren.

Im Grafik-Modus sieht der Print Befehl folgendermaßen aus:

PRINT#1,“Sub-Command“ (,X,Y)

Sub-CommandFunktion
HBewege Stift zum absoluten Startpunkt (home) (0,0)
IRelativer Ausgangspunkt (X0, Y0) zur aktuellen Position (X,Y)
MBewege dich (move) zu Position (X,Y), relativ zum absoluten Startpunkt (0,0) (Stift abgesetzt)
DMale (draw) zu Position (X,Y), relativ zum absoluten Startpunkt (0,0) (Stift aufgesetzt)
RBewege dich zu Position (X,Y), relativ zum relativen Ausgangspunkt (X0,Y0) (Stift abgesetzt)
JMale zu Position (X,Y) relativ zum relativen Ausgangspunkt (X0,Y0) (Stift aufgesetzt)
Die Zeichenfunktionen im Grafikmodus

Direktdruck

Es ist darüber hinaus auch möglich den Plotter im Direktmodus anzusprechen. Das bedeutet, dass alle Eingaben über die Tastatur und die daraus resultierenden Ausgaben direkt an den Plotter gesendet werden. Dies ist hilfreich, um z.B. Programmlistings auszudrucken (was ich jedoch mit einem Plotter nicht unbedingt empfehlen würde).

OPEN 99,6
CMD 99
LIST
PRINT#99
CLOSE 99

In diesem Beispiel verwenden wir die beliebige logische Dateinummer 99. Der CMD Befehl versetzt den Plotter in den „Listen Mode“. Anschließend werden alle Eingaben und Ausgaben direkt an den Plotter übermittelt (hier: ein LIST). Um den Listen-Mode wieder zu beenden schickt man eine „Null“ per PRINT#99. Zum Schluss wird File 99 wieder geschlossen.

Fazit

Für den täglichen Gebrauch ist der Plotter eher nicht geeignet, sind doch die winzigen Stifte einfach zu schnell leer. Auch für längere Textausdrucke oder gar Bitmap-Grafiken ist er nicht das richtige Gerät. Seine Stärke liegt im Drucken von Vektorgrafiken. Allerdings ist die Plotfläche sehr limitiert und die Ausdrucke rollen sich zusammen. Alles in allem ist der VC-1520 trotzdem ein schönes Stück Hardware Geschichte zum Commodore 64.

Auf folgender Seite findet man ein C64 Disk Image (.d64) zum Download, mit kleinen BASIC Programmen zum Plotten von Commodore Logos: http://biosrhythm.com/?p=1192&unapproved=239369&moderation-hash=b4d143fccbf0ee121556ee66c1137058#comment-239369

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