Schneider EURO PC I

Mein erster eigener PC Anfang der 90er: Schneider EURO PC .. ein XT mit 8088, 512 kB RAM und 3,5″ Floppy.

Da kommen nostalgische Gefühle auf! Nach fast 30 Jahren halte ich wieder einen EURO PC in Händen und tippe wie selbstverständlich die DOS Befehle von damals. Der Schneider Computer war mein erster eigener PC. Er war die erschwingliche Variante eines IBM kompatiblen Rechners für den Hausgebrauch bzw. das kleine Büro. Außerdem war er sehr kompakt, weil der gesamte Rechner samt Floppylaufwerk im Tastaturgehäuse untergebracht war. Das externe Netzteil konnte unter dem Schreibtisch platziert werden und zusammen mit dem 12″ Monochrom-Monitor nahm der Computer daher nicht ganz so viel Platz auf dem Schreibtisch ein, wie vergleichbare Rechner.

Heute sind diese Modelle sehr selten geworden und dementsprechend teuer auf Ebay zu ersteigern. Umso mehr freut es mich, ein wirklich schönes Gerät ergattert zu haben.

Der Schneider Euro PC ist ein IBM kompatibler XT mit 8088 CPU von Siemens mit umschaltbarer Taktfrequenz (4,77 – 9,54 MHz), 512kB RAM (Kilobyte nicht Megabyte :)) und einem eingebauten 720 kB 3,5″ Diskettenlaufwerk. Der Euro PC war 1988 das erste Modell, dass von Schneider – nach der Trennung von Amstrad – im bayerischen Türkheim in Kooperation mit Commodore entwickelt wurde. In der Grundausstattung hatte das Gerät keine Festplatte! Diese konnte aber extern nachgerüstet werden. Von Schneider gab es dazu das Modell HD20, eine IDE/ATA kompatible Festplatte mit 20 MB Speicherplatz, die mit dem extra dafür vorgesehenen Anschluss auf der Rückseite verbunden wurde. Der Euro PC kann dann von der Festplatte auch booten.

Werbeanzeige von 1988 in einem deutschen Fachmagazin

Neben dem „Harddisk“ Anschluss hat das Grundgerät auch noch einen Stecker für ein externes Floppylaufwerk, sowie Anschlüsse für Maus, Seriell (je 9 polig) und Drucker (Centronics/parallel). Der Monitor Port ist ebenfalls ein 9 poliger Anschluss zum Anschluss eines CGA Farb- oder Hercules Monochrom- Monitors.

Von links nach rechts: Externe Floppy, On/Off-Schalter, Externe Festplatte, Monitor, Power/Netzteil, Maus 9pol/seriell, Parallel/Drucker, Seriell/9pol, 8Bit Erweiterungssteckplatz

Die Grafikkarte hat einen Videospeicher von 64kB und kennt zwei Modi: Hercules (monochrom, 720 × 348) und CGA (320 × 200, 4 Farben, 16 Farben oder 640 × 200, 2 Farben, 4 Farben), die je nach angeschlossenem Monitor-Typ verwendet werden können. Beim Euro PC ist man nicht auf original Schneider Monitore angewiesen, wie das noch bei den Amstrad Modellen PC1512 oder PC1640 z.B. der Fall war, sondern kann jeden kompatiblen CGA/Hercules Bildschirm anschließen. Der Rechner und der Monitor haben nämlich jeweils eine eigene Stromversorgung.

Über einen kurzen 8-Bit Erweiterungssteckplatz, der auf der rechten Seite über eine Klappe erreichbar ist, kann der Rechner z.B. mit einer VGA-Karte oder einer Netzwerkkarte erweitert werden. Leider gibt es, der kompakten Bauweise geschuldet, nur diesen einen Steckplatz.

Im Auslieferungszustand waren damals das Betriebssystem MS-DOS 3.3 und Microsoft Works 1.05 inklusive umfangreicher Handbücher enthalten. Works war die günstige Variante der professionellen Office Programme Word, Excel, Powerpoint etc. Es wurde von Microsoft in Anlehnung an Apple Works entwickelt und bot so einen günstigen Einsieg in die Office Welt. Die Entwicklung wurde später aber mangels Nachfrage eingestellt und stattdessen wurde MS Office in günstigeren Editionen angeboten.

MS Works wurde dagegen oft mit der Hardware zusammen im Paket geliefert. Damit standen dem Nutzer eine einfache Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Datenbank und ein Datenübertragungsprogramm (DFÜ) zur Verfügung. Ja, ihr habt richtig gelesen: Es gab auch ein DFÜ Programm, mit dem man per Modem Daten an andere Rechner über die Telefonleitung übertragen konnte. Damals gab es ja bekanntlich noch kein Internet und deshalb mussten Datenübertragungen logischerweise per Telefonleitung point-to-point erfolgen.

Die Schneider Computer Division war eine Tochtergesellschaft der deutschen Schneider Rundfunkwerke AG. In den Anfängen hatte sie einige Jahre eine Kooperation mit der britischen Computerfirma Amstrad und vertrieb dessen Computer mit eigenem Label – das waren z.B. zu Beginn die 8-Bit Home-Computer Schneider/Amstrad CPC-464,-664 und 6128 und später dann auch die IBM kompatiblen Rechner PC1512/1640 oder Joyce. Als eigene Innovation konnte Schneider die Entwicklung der Hardware Einstellungen per Software ganz ohne Jumper für sich verbuchen.

BIOS Setup des Euro-PC: Hier kann unter anderem die CPU Taktfrequenz und der Video-Mode festgelegt werden.

Nach dem Vorbild der 8-Bit „Tastatur-Computer“ entwickelte Schneider dann ab 1988 den Euro PC in der gleichen kompakten Bauweise. Dem Euro PC folgten dann noch der Euro PC II und etliche weitere IBM kompatible Rechner (286er/386er/486er), die dann aber entweder kompakte Desktop-Gehäuse, Mini-Tower oder auch große Tower-Gehäuse hatten. 2002 ging die Ära der deutschen Computer-Schmiede dann leider zu Ende und das Unternehmen meldete Insolvenz an.

Tauschen der Setup Batterie

Ein typisches Problem des Euro PC I/II nach so vielen Jahren ist die leere oder sogar ausgelaufene Setup-/BIOS-Batterie. Die musste ich auch bei meinem Gerät tauschen. Glücklicherweise war der NiCd-Akku bei mir noch nicht ausgelaufen, sondern zeigte nur kaum noch eine Spannung. Leider ist der Akku fest auf dem Motherboard verlötet und in dieser Form heutzutage nur noch schwer zu bekommen. Auf der Suche nach einer Lösung für mein Problem wurde ich schnell im forum64.de fündig. Dort wurde das Akku Problem ausgiebig diskutiert und mehrere Lösungswege aufgezeigt.

Folgende Beschreibung ist natürlich ohne Gewähr und der Nachbau geschieht auf eigene Gefahr!

Ich habe den Akku schließlich durch einen Knopfzellenhalter für eine CR3032 Knopfzelle getauscht, so wie sie heute auf den meisten PC-Mainboards üblich sind. Der Austausch ging relativ einfach vonstatten. Zuerst ist es notwendig die alte Batterie an den drei Laschen auszulöten. Die Knopfzellenhalterung, die einen Pin-Abstand von 20mm haben sollte, passt dann exakt (etwas schräg verdreht) in einen der beiden Plus- und in den Minus-Pol.

Leider stört beim Einbau der Widerstand R16 direkt neben dem Akku, der zusammen mit der Diode D3 in Reihe geschaltet ist und dazu da war den Ladestrom für den NiCd-Akku zu begrenzen. Da die Ladefunktion für die Knopfzelle unterbrochen werden soll, kann er ebenfalls ausgelötet werden. Ich musste den Widerstand später aber auf der Unterseite des Motherboards an gleicher stelle wieder eingelöten (siehe Bild). Im Forum wurde zwar berichtet, dass der Widerstand durch Verwendung einer normalen Knopfzelle überflüssig wäre. Bei mir hat dann aber der Monitor (MM12) nach dem Einschalten des Euro PC nur noch gefiept und kein Bild mehr gezeigt.

Die Diode D3, die sich ebenfalls direkt neben dem Akku und dem ausgelöteten Widerstand befindet, muss auf jeden Fall entfernt werden, weil dadurch die Ladefunktion unterbrochen wird. Sonst würde der Ladestrom die Knopfzelle zerstören.

Falls die Lötarbeiten erfolgreich waren, meldet sich der Schneider Euro PC nach dem Einschalten zwar mit wilden Piepsern, aber hoffentlich auch mit einem Bild (siehe Bilder). Jetzt müssen nur noch alle BIOS Einstellungen neu gesetzt werden: durch Drücken von Alt-Ctrl-ESC gelangt man in das BIOS-Setup, wo man alle notwendigen Einstellungen vornehmen kann.

Auf dem Bild rechts seht ihr den alten ausgelöteten Akku und die entfernte Diode.

Danach funktioniert der Euro PC wieder stabil und behält auch Datum und Uhrzeit wieder nach dem Ausschalten.

Der Nachfolger, der Euro PC II wurde 1990 in der Fachpresse gelobt: „Der Euro PC II von Schneider ist ein leistungsfähiger PC …“

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