Wie ein „PET“ die Computerwelt revolutionierte

Commodore PET im Museum Kutz in Bamberg

Damals musste er wie ein Außerirdischer auf dem eigenen Küchentisch gewirkt haben – der Commodore PET 2001. Was sich schon anhört wie ein Name aus einem Science-Fiction-Film, war 1977 bereits ein Vorgeschmack auf die Zukunft.

Es kann darüber gestritten werden, welcher Rechner nun als erster offizieller Heimcomputer gilt. Dennoch ist eines klar: Der Commodore PET 2001 war revolutionär. Er war der erste vollwertige und erschwingliche Computer für Privatanwender, Schulen und kleine Büros. Wie ein Haustier (pet) sollte er der alltägliche Begleiter des Menschen sein. Aber wie kam es dazu, dass ausgerechnet ein Büromaschinenhersteller zum Pionier der Mikrocomputer-Branche wurde?

Vom kleinen Schreibmaschinen-Händler zum Revolutionär der Heimcomputer

Die Geschichte begann mit Commodore-Gründer Jack Tramiel. Der Pole emigrierte nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA, nachdem er als einziger seiner Familie den Holocaust im KZ Auschwitz überlebt hatte. Während seiner Zeit in der amerikanischen Armee lernte Tramiel mechanische Schreibmaschinen zu reparieren. So kam er auf die Idee, ein Geschäft für Büromaschinen in der New Yorker Bronx zu gründen. Namentlich angelehnt an den historischen Marinerang „Commodore“ der Royal Navy, wuchs das 1958 eröffnete Unternehmen „Commodore Portable Typewriter Ltd.“ rasant. Durch den Aufkauf weiterer Firmen entstand kurze Zeit später CBM („Commodore Business Machines Ltd.“). Das Sortiment umfasste nicht mehr nur Schreibmaschinen, sondern auch Rechenmaschinen und Büromöbel.

Nach finanziellen Schwierigkeiten orientierte sich Tramiel an neuen Trends, wie beispielsweise den elektronischen Rechenmaschinen. Als die Konkurrenz bei Mikro-Chips und Taschenrechnern stärker wurde, übernahm Jack Tramiel in den 1970ern den in finanzielle Not geratenen Chip-Produzenten „MOS Technology, Inc.“. So hatte er günstigen Zugriff auf die Bauteile für seine Rechenmaschinen.

Tramiel konnte damals noch nicht wissen, dass dies zum Einstieg und Aufstieg Commodores als Computerhersteller führen sollte.

Günstige Mikro-Prozessoren ebneten den Weg

Mit MOS übernahm Tramiel auch deren Entwickler, darunter Chuck Peddle und Bill Mensch. Federführend entwickelten sie schon vor der Übernahme den ersten günstigen 8-Bit Prozessor (MOS6502). Sie bauten auf dieser Grundlage den Einplatinen-Computer KIM-1, der 1976 als Lerncomputer für Aufmerksamkeit sorgte und als Vorstufe des Heimcomputers gilt.

Peddle wollte jedoch immer einen vollwertigen Computer mit Tastatur und Monitor bauen. Er konnte Tramiel von dem Projekt überzeugen und erhielt von ihm den Auftrag, innerhalb von nur vier Monaten einen Prototyp zu entwickeln. Diesen sollte er Anfang 1977 auf einer Messe für Unterhaltungselektronik präsentieren.

Commodore PET 2001 – Der erste vollwertige Computer für jedermann

Gesagt, getan. Geboren war der Commodore PET 2001 – und das Interesse der Öffentlichkeit war groß. Ein Blechgehäuse aus der eigenen Möbelproduktion, eine sogenannte „Chiclet“-Tastatur, die an die gleichnamigen quadratischen Kaugummis erinnert und von den eigenen Rechenmaschinen stammte. Aufgrund des Zeitdrucks musste Peddle einige Kompromisse eingehen. Trotzdem erreichte er sein Ziel: Der PET 2001 war ein kompletter PC und benötigte keine zusätzlichen Geräte.

Infokasten „Commodore PET 2001“

– Der erste betriebsbereite und privat nutzbare Computer für jedermann
– PET = Personal Electronic Transactor (deutsch: persönlicher, elektronischer Rechner)
– Die Zahl im Namen sollte für Zukunft und Revolution stehen und womöglich eine Anspielung an den Film „2001: Odyssee im Weltraum“ aus dem Jahr 1968 sein
– Im Jahr 1977 kam der Rechner zusammen mit Apple II und Tandy TRS-80 auf den Markt, die die Mikrocomputer-Ära einläuteten
– Hauptentwickler des PC war Chuck Peddle, amerikanischer Elektroingenieur und ein Pionier der Mikrocomputer


Ein normales Kassettengerät und ein günstiger Monochrom-Monitor befinden sich direkt im Gehäuse. Das noch junge Softwareunternehmen „Microsoft“ von Bill Gates und Paul Allen lieferte seine Programmiersprache BASIC in einem ROM-Chip. Dank dieser (für die damalige Zeit) kompakten Bauweise und der einfachen Bedienung war der 8-Bit Computer der erste All-in-one Rechner auf dem Markt. In Deutschland lag der Preis kurz nach Veröffentlichung des Computers bei saftigen 2900 DM, gut ein vierfaches vom damals durchschnittlichen Monatsgehalt. Viele Käufer fand er dennoch – besonders in Unternehmen, Schulen und Ämtern.

Innenansicht des Commodore PET 2001 des ehemaligen Museum Kutz in Bamberg – leider unvollständig und stark reparaturbedürftig.

Der PET 2001 konnte jedoch noch keine komplexe Software ausführen, denn er war lediglich mit 4 kB Speicherkapazität (später 8 kB) ausgestattet und hatte weder Grafik noch Sound. Dennoch war der Computer für einfache Aufgaben oder zum Lernen gut geeignet.

„Viele Leute haben sich den Computer als Hobby, aus Neugierde, gekauft“, so Michael Engel, Leiter des Lehrstuhls für Systemnahe Programmierung an der Uni Bamberg. Immerhin war der Computer ein neues Stück Technik, das für Spannung sorgte. Unternehmen sahen darin eine Erleichterung für Textverarbeitung und Rechenaufgaben.

Deutsche Werbung aus der Ausstellung des Musems Kutz in Bamberg.

Die Nutzung war dennoch nicht mit der uns heute bekannten zu vergleichen: „Damals war jemand, der sich einen Computer angeschafft hat, meistens nicht nur der reine Nutzer“, erklärt Engel. Da es noch keine grafische Benutzeroberfläche gab, gab es keine andere Möglichkeit als sich mit dem Programmieren zu beschäftigen. Der Rechner war aber so einfach gestaltet, dass er sich für den Einstieg in die Computerwelt eignete.

Aus heutiger Sicht ist der Computer legendär. Er gehört neben dem Apple II und dem Tandy TRS-80 zur sogenannten „Trinity“ (laut „Byte Magazine“ von 1979) von Computern, die allesamt 1977 auf den Markt kamen und damit die Mikrocomputer-Revolution einläuteten.

Die unerwartete Erfolgsgeschichte von Commodore

Der Erfolg des PET 2001 und die Innovationen der MOS Entwickler führten zum Aufstieg von Commodore als Computerhersteller. Das erfolgreichste Modell war der C64 Homecomputer, der 1982 auf den Markt kam und Schätzungen zufolge circa 17 Millionen Mal weltweit verkauft wurde. Er ist damit bis heute der meistverkaufte Computer aller Zeiten. In den 80er und 90er Jahren war Commodore auch in Deutschland stark vertreten – in Frankfurt war der Hauptsitz und in Braunschweig eine Produktions- und Entwicklungsstätte beheimatet.

1994 meldete Commodore Konkurs an. Wirtschaftliche Fehlentscheidungen, mangelhaftes Marketing und unglückliche Investitionen führten letztlich zum Aus des einstigen Erfolgsunternehmens. Die Namensrechte wechselten seitdem mehrmals den Besitzer. Die Computer sind bis heute noch bei Sammlern sehr beliebt und werden teilweise weiterentwickelt oder neu herausgebracht. Auch Michael Engel kann bestätigen: „Es gibt genügend Sammler“. Er und seine Studierenden setzten sich aufgrund der historischen Bedeutung der Computer dafür ein, diese zu restaurieren: „Ich möchte, dass wir die Rechner auch wieder ins Leben bringen“.

Der Commodore PET 2001 war der Wegbereiter in die Mikrocomputer-Ära. Sollten die ersten Modelle dem Menschen noch die Scheu vor der neuen Technik nehmen, ist es für uns heute ein Alltagsgegenstand geworden. Aufgrund seiner revolutionären Bedeutsamkeit war er seit Ende der 70er Jahre zunächst im Bürozentrum der Familie Kutz in Bamberg erhältlich, und wurde später in das Museum Kutz aufgenommen. Nun ist der Rechner im digitalen Rundgang des Museums zu bestaunen.

Quellennachweis:

Chuck Peddle. Online verfügbar unter: https://en.wikipedia.org/wiki/Chuck_Peddle

Commodore PET 2001 / CBM 2001. Online verfügbar unter: https://www.kultboy.com/kultsysteme/108/

Commodore (Royal Navy). Online verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Commodore_(Royal_Navy)

Der Commodore PET 2001. Online verfügbar unter: https://www.computernostalgie.de/commodore%20pet2001.shtml

Einplatinencomputer. Online verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Einplatinencomputer

Engel, Michael. Interview vom 09.12.2025.

Hofer, Kevin (2020): Jack Tramiel: Wie der knallharte Tycoon Commodore auf die Siegerstrasse führte. Online verfügbar unter: https://www.digitec.ch/de/page/jack-tramiel-wie-der-knallharte-tycoon-commodore-auf-die-siegerstrasse-fuehrte-16525

KIM-1. Online verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/KIM-1

Kötter, Andreas (2025): Was wurde eigentlich aus dem Computer-Hersteller Commodore? Online verfügbar unter: https://www.techbook.de/home-entertainment/gaming-konsolen/c64-commodore-geschichte

MOS Technology 6502. Online verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/MOS_Technology_6502

Statistisches Bundesamt (2025): Entwicklung der Bruttoverdienste im Früheren Bundesgebiet. Online verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/Verdienste-Branche-Berufe/Tabellen/lange-reihe-frueheres-bundesgebiet-1913.html (in D-Mark umgerechnet: https://www.altersvorsorge-und-inflation.de/euro-rechner.php?richtung=EUR_XXX&waehrung=DM#calculatorform).

17 Millionen C64 weltweit… Commodore: Die Vorgeschichte. Online verfügbar unter: https://8bit-museum.de/heimcomputer/commodore/

Nachwort

Das private Museum von Artur und Rosemarie Kutz wurde leider Ende 2025 endgültig geschlossen. Die regionale Tageszeitung berichtete über die Schliessung.

Einen letzten Video-Rundgang durch die Räumlichkeiten findet ihr auf meinem YT Kanal. Leider ist die Qualität nicht besonders, da die Aufnahmen spontan mit dem Smartphone entstanden sind.

Eine Übersicht der Commodore PET bzw. CBM Modelle findet ihr hier:
Übersicht der Commodore PET/CBM Computer Modelle

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